Donnerstag, 17. Februar 2011

Venus – Ischtar – Isis – Astarte – Aphrodite

Boticelli: Venus

" … Sappho, die sich in ihrer weichen aiolischen Mundart Psappho nannte, soll hier aus ihrer eigenen Dichtung sprechen … Hören wir in einem Gedicht ihre Eifersucht, als ein Mann ihr ihre Freundin wegnahm:

Himmlischen Wesens scheint mir der Jüngling zu gleichen.
Da er dir gegenüber lagert und deinem süßen Geflüster,
deinem lockeren Lachen lauschend das Ohr leiht.
Ach, der Anblick erfüllt mir das Herz im Busen,
tief mit Schrecken; denn wenn ich zu dir hinüber rasch
nur schaue, versagt mir bereits die Stimme.
Und meine Zunge liegt wie von Fesseln gelähmt,
es rieselt mir plötzlich unter der Haut entlang ein
flüchtiges Feuer. Trübe wird mir das Augenlicht,
in den Ohren saust es wie der Sturmwind. Tränen im
Auge, ließ sie mich hier zurück. Doch sie liebte auch
den Mann und schrieb zum Abschied:
Aber bleibe mein Freund, doch nimm dir eine jüngere
Lagergenossin, Ich trüg es nicht mit dir zu leben,
Du bist jung, ich bin älter als du bist … "

Fritz Gehre


 

Louise Huber: "Die Venus, das Weibliche"

 

" … Übersteigerung der Venusfunktion

Auch die Venus hat ihre negativen Seiten, einige wurden schon erwähnt. Bei Übertreibungen ist am deutlichsten das Umkippen der Gefühle festzustellen, gleich einem kompensativen Mechanismus. Aus Anziehung wird Abstoßung, aus Schönheit Häßlichkeit, aus Kunst Gekünsteltes. Liebevolle Gestaltung führt zur Übertreibung und wird zum Kitsch. Echte venusische Geselligkeit und Gastfreundschaft kann zur leeren, lügen-haften Schöntuerei zum Beispiel auf Partys führen. Aus der natürlichen Sensitivität resultiert eine Überempfindlichkeit gegenüber Kritik oder Ablehnung. Die Faszination durch das der eigenen Natur Entgegengesetzte kann so stark auftreten, daß die merk-würdigsten Beziehungen daraus hervorgehen. Zum Beispiel sucht sich ein weicher, nachgiebiger, zarter Venustyp einen starken Partner aus, der sie quält. Sehr häufig verkehrt sich die Unfähigkeit, Realitäten und Hässlichkeiten zu sehen in Schönfärberei und eine Unfähigkeit, Konflikte auszutragen. Sie kann etwas als gut und schön deklarieren, nicht weil sie es so empfindet, sondern weil es leichter ist, anderen in den Mund zu reden. Dabei handelt es sich nicht um eine Lüge, sondern um einen Akt der Anpassung.

Eine angepaßte Venus will Harmonie um jeden Preis und macht faule Kompromisse. Sie verdrängt die Wahrheit und lebt lieber in einer scheinbar heilen Welt, in der alles in Ordnung ist. So gesehen ist die Venus nicht konfliktfähig, sie ist unfähig aktiv ins eigene Schicksal einzugreifen und zieht es vor, in einer gläsernen Harmonie, in einem goldenen Käfig gefangen zu bleiben.

Eine weitere Schwäche der Venus ist die Eitelkeit, die Gefallsucht. Sie ist abhängig vom Feedback und tut alles, um beliebt zu sein. Daraus kann ein Narzißmus, eine übertriebene Selbstliebe resultieren, häufig wenn die Venus vor oder am AC, dem Ich-Punkt im Horoskop, steht. Im Streßbereich der kardinalen Achsen wirken besondere kompensative Kräfte auf die Planeten ein. Bei der Venus wandelt sich häufig die Anmut in eine gekünstelte Posse, die Schönheit in Aufmachung, die Eleganz in Schlampigkeit, die lebendige Sinnenlust in Formalismus, Ihre Wirkung ist dann nicht mehr natürlich und anziehend, sondern übertrieben, aufdringlich und auch oft abstoßend.

Auch der Mythos zeigt uns die Venus-Aphrodite in doppelter Gestalt. Als eine, die aus dem Schaum des Meeres geboren wird und einer höheren Ordnung entstammt und als Aphrodite pandemos, die der niederen Welt angehört. Das Leben im Gleichgewicht zu halten ist die Kunst der Künste und das lehrt uns die Venus. As Venus in der Waage ist sie die Göttin der reinen, himmlischen Liebe, als Venus im Stier regiert sie die Sinnenlust. Beide Möglichkeiten entsprechen der Liebe …

Weisheit

Die transformierte Venus ist vom höheren Standort aus der Maßstab der Weisheit, die Fähigkeit, sich in der realen Welt zu bewegen und zu Recht zu finden, ohne anzustoßen und ohne mit irgendetwas oder irgendjemanden in Schwierigkeiten zu geraten. Für bestehende Probleme, Mängel und Fehlfunktionen sucht sie brauchbare Lösungen, Konflikte und einseitiges Vorgehen ordnet sie in das Ganze ein, im Verstehen der Zusammenhänge bringt sie vieles in die richtige Proportion, nimmt symbolisch gesprochen, den Stachel heraus. Bei schwerwiegenden Konflikten kann sie vermittelnd wirken und baut Brücken des Verstehens zwischen streitenden Parteien.

Von einer höheren Warte aus betrachtet bedeutet die Venus „reine Vernunft", sie kann niemanden verletzen, niemandem weh tun, sie bringt jedem noch so armen Menschen Liebe und Verständnis entgegen. Alice A. Bailey nennt die Venus als esoterische Herrscherin des Zeichens Zwillinge den Planet der „beweglichen Synthese". In ihrer Beweglichkeit ist sie Lebenskünstlerin, ausgleichend, beglückend und eine Meisterin der angenehmen Art. Venus kann Raum und Zeit harmonisch verbinden, vermag das zu schaffen, was man Atmosphäre nennt. Sie kann erfreuen, erheitern, die Lebensqualität steigern und durch Verständnis streitende Parteien versöhnen. Ihr ist die Lebenskunst eigen, Harmonie zu bringen, guten Willen zu zeigen und durch einen freundlichen Umgang und Verständnis für andere, menschliche Beziehungen zu erleichtern und zu verschönern.

Auszug aus der Zeitschrift  'Astrolog' Nr. 96/1997

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